Chronik / Geschichte

der Marktmusikkapelle Vöcklamarkt

170 Jahre Marktmusikkapelle Vöcklamarkt
Chronologische Darstellung der wichtigsten Ereignisse des Vereinsgeschehens seit der Gründung bis heute.

Die Marktmusikkapelle Vöcklamarkt kann auf ein wahrhaft stolzes Alter zurückblicken, liegen doch die Anfänge schon respektable 170 Jahre zurück. Niemand kann so weit zurückdenken, Generationen sind seither gekommen und wieder gegangen.

Um die Zeit des Werdens der Marktmusikkapelle Vöcklamarkt ein bisschen zu verdeutlichen, möchten wir skizzenhaft auf die Zeit eingehen, in die die Gründung der Kapelle eingebettet ist:

1848

Lageplan von Vöcklamarkt aus dem Jahr 1824

Franz Josef war gerade 18-jährig Kaiser von Österreich geworden, eine Zeit des Auf- und Umbruches, das Sturmjahr 1848 war angebrochen, die definitive Bauernbefreiung aus der Abhängigkeit der Grundherren, die Einteilung unseres Vaterlandes war Wirklichkeit geworden.

Auch das räumliche Umfeld soll an Hand eines Ortsplanes und einiger Fotos von Vöcklamarkt , die in etwa aus dieser Zeit stammen, etwas näher gebracht werden.

Im Revolutionsjahr 1848 bildete sich auch in Vöcklamarkt eine bewaffnete Bürgergarde, um in dieser unruhigen Zeit Ruhe und Ordnung im Ort aufrecht zu erhalten. Dieser Bürgerwehr schloss sich eine „Musikbanda“ unter Leitung des Unterlehrers Lepsi an. Die Adjustierung der Nationalgardisten bestand in dunkelblauen, rotegalisierten Röcken, dunkelblauen, rotpassepoilierten Hosen und schließlich einem mächtigen Czako mit Pinsel. Exerzierplatz war die Wiese vor der Weißmühle“ (ehemalige Wiese vor dem Sägewerk Lohninger in Vöcklamarkt).

 


1851 - 1879

Ortsansicht von Vöcklamarkt aus dem Jahr 1902

Aufgabe der „Musikbanda“ war es, die Gardisten beim Aus- und Einrücken mit klindendem Spiel zu begleiten. Unterlehrer Lepsi als erster Kapellmeister übte sein Amt bis 1851 aus. Im Jahr 1851 wurde dann die „Blasmusikkapelle Vöcklamarkt“ gegründet. Diese setze sich wahrscheinlich vorwiegend aus Mitgliedern der ehemaligen „Musikbanda“ zusammen. Über den damaligen Kapellmeister (1851 – 1876), einen gewissen Herrn Sollinger, liegen leider keine genaueren Daten vor. Sein Nachfolger, Karl Seelinger fühte die Kapelle nach der Gründung des Kath. Burschenvereins „Frohsinn“ (1909, Obmann Franz Pabst) als Burschenvereins-Musikkapelle.

 


1880 - 1910

Gruppenfoto aus dem Jahr 1910Karl  Seelinger, Musikus und Regenschirmmacher in Vöcklamarkt Nr. 40 (heute Wultingergasse 1) war 52 Jahre Kapellmeister in Vöcklamarkt. Noch heute ist ein Erinnerungsband im Besitz der Musikkapelle, worauf dem Genannten am 26. Sept. 1926 zum 50-jährigen Kapellmeisterjubiläum gratuliert wird.

Nach seinem Tod im Jahr 1928 folgten als musikalische Leiter der Militärmusiker Johann Märzinger, Franz Reitsperger, Pankraz Rendl und Franz Köbrunner. Aufgrund der Kriegsgeschehnisse  liegen über diese Zeit leider nur sehr fragmenthafte Aufzeichnungen vor.

 


1911 - 1945

Gruppenfoto aus dem Jahr 1931Etwas genauer lässt sich die Zeit nach dem 2. Weltkrieg darstellen.

Im Jahr 1945 wurde der ehemalige Werkskapellmeister der Munitionsfabrik Hirtenberg, Emmerich Tschuggnal ersucht, als Kapellmeister die Musikkapelle Vöcklamarkt wieder neu aufzustellen. Emmerich Tschuggnal  hatte es in Folge der Kriegswirren nach Vöcklamarkt verschlagen.  Er eröffnete hier in Vöcklamarkt eine Privatmusikschule.

Mit den aus dem Krieg zurückkehrenden Altmusikern und den neu ausgebildeten Musikschülern wie z. B. Johann Vitzthum, Michael Gramlinger usw. wuchs langsam ein Blasorchester heran, welches sich im Bezirk sehen lassen konnte.

 


1946 - 1951

chronik 06Emmerich Tschuggnal war in erster Linie Geiger, unterrichtete in seiner privaten Musikschule als Lehrer jedoch sämtliche Instrumente, ganz gleich ob Saiten-, Blas-, Tast- oder Schlaginstrument. Viele heutige Altmusiker, unter anderem der ehemalige Bezirkskapellmeister Konsulent Walter Essenhofer, erhielten bei Emmerich Tschuggnal ihre ersten Lehrstunden.

Als Obmänner der ersten Stunde nach dem 2. Weltkrieg – bis ins Jahr 1945 gab es keinen Obmann – waren die Herren Friedrich Reitsperger sen.,Friedrich Reitsperger jun. und Johann Hauser  aktiv..

 

 


1952 - 1958

Gruppenfoto 1952Rund 4 Jahre verspätet – am 19. und 20. Juli 1952 – wurde unter großer Aufmachung das 100-jährige Musikjubiläum gefeiert.  Die damals 31 aktiven Musiker waren in Uniform – grüner Rock, schwarze Hose und Schirmkappe – adjustiert.

Neben den vielen kirchlichen und auch privaten Ausrückungen gilt der Faschingsumzug im Jahre 1953 als eines der größten Ereignisse der damaliegen  Zeit. Organisiert von der Musikkapelle  nahmen 37 Gruppen daran teil, rund 3000 Personen säumten den Umzugsweg.

 

 


1959 - 1965

1958 - vor dem "Probenlokal" (altes Feuerwehrdepot)Im Oktober 1969 brach mit der Übernahme der musikalischen Leitung durch den Gemeindebeamten Wilhelm Leitner eine neue musikalische Ära über Vöcklamarkt herein. Als  28-jähriger hatte Leitner bereits eine 4-jährige Erfahrung als Kapellmeister in Gampern vorzuweisen. Bei der Musikkapelle Vöcklamarkt war Leitner  seit dem Jahr  1959 als Klarinettist aktiv.

 

 

 

 


1966 - 1970

Gruppenfoto aus dem Jahr 1970Mit viel Mühe und Fleiß ging man an die musikalische Weiter- und Jungmusikerneuausbildung  heran. Nachdem es in der damaligen Zeit noch keine Musikschulen gab, fungierten als Lehrer neben dem Kapellmeister auch die Musiker Josef Streicher (Flügelhorn), Johann Hodetz (Trompete), Walter Hodetz (Klarinette) Josef Gausterer (Querflöte) Hermann Reitsperger (Tuba) sowie Alfred Schneeweiss (Posaune). Finanziert wurden die Ausgaben für Instrumente, Noten, sowie Trachten durch  Subventionen der Gemeinden und durch das alljährliche „Faschingblasen“.  Zu dieser Zeit gab es jährlich rund 40 Ausrückungen, 50 Proben und etwa 20 Begräbnisse.   Unter der Führung von Hans Hauser wurde die Kapelle zweimal in Uniform und einmal in Tracht neu eingekleidet. Dem allgemeinen Trend folgend trägt die Musikkapelle seit 1970 eine Tracht.  Die zuletzt feldgrauen Uniformjacken wurden durch blaue Trachtenröcke mit roten Westen und die Uniformmützen durch flotte schwarze Trachtenhüte ersetzt.

 


1971 - 1985

Gruppenfoto aus dem Jahr 1973Am 18. November 1977 wurde Heinrich Taitl  zum neuen Obmann der Musikkapelle Vöcklamarkt gewählt. Heinrich Taitl hatte schon früher Kontakt zur Musikkapelle Vöcklamarkt, war er doch in der Zeit von 1950 bis 1967 als Stabführer für die Kapelle tätig.  In der Amtszeit von Heinrich Taitl, der neben hervorragendem organisatorischem Talent auch die nötigen Kontakte zu Gemeinden und wichtigen Institutionen  pflegte, wuchs die Kapelle auf 45 MusikerInnen (21.09.1978) heran. Als besonderer Verdienst von Heinrich Taitl ist der Bezug des eigenen Probelokales in der Volksschule zu sehen.

 

 


1986 - 1998

Gruppenfoto 1983Infolge des plötzlichen Todes von Obmann Heinrich Taitl (+ 14.03.1986) wurde  Josef Hodetz am 05. Dezember 1986 zum neuen Obmann gewählt und leitete seither die organisatorischen Geschicke der Musikkapelle Vöcklamarkt. Zu seinen besonderen Verdiensten zählt neben vielen organisatorischen Arbeiten vor allem die Neueinkleidung der Kapelle im Frühjahr 1989. Erstmals in der Vereinsgeschichte kamen schwarze Lederbundhosen zum Zug, ergänzt wurde die damalige Tracht durch blaue Röcke,  grün/blau gemusterte Westen, einem weißen Hemd, sowie einem schwarzen Hut mit blauem Band.

 


1998 - 2003

Gesamtfoto aus dem Jahr 2002Nachdem im Frühjahr 1999 Helmut Vitzthum das Obmann-Amt von Josef Hodetz übernahm, kam es im Herbst 1999 auch bei der Funktion des Kapellmeisters zu einer Hofübergabe.  Nach einem Jubiläumskonzert am 08. Mai 1999 – 30-Jahre Kapellmeister Willi Leitner – gab dieser den Taktstock mit Beginn des Jahres 2000 an Hans Einberger weiter.  Kapellmeister Einberger legt großen Wert auf die Jugendausbildung und so konnten im Rahmen des Muttertagskonzertes 2002 rund 22 Jungmusiker eine erste Kostprobe ihres Könnens geben. Die Zahl der aktiven MusikerInnen konnte durch konsequente Ausbildung von Jungmusikern ständig erhöht werden.

 


2004 - 2006

Gesamtfoto aus dem Jahr 2004Durch kontinuierliche und gezielte Probenarbeit gelang es Hans Einberger das gute musikalische Niveau der Kapelle weiter anzuheben. Und so konnte erstmals in der Vereinsgeschichte im Jahr 2004  bei der Konzertwertung in der Oberstufe ein Ausgezeichneter Erfolg erreicht werden. Hans Einberger ist zugleich auch Kapellmeister der Trachtenkapelle Maxglan sowie Bezirkskapellmeister des Bezirkes „Salzbug Stadt“ und ist bis heute für die musikalischen Belange der Marktmusikkapelle Vöcklamarkt verantwortlich.

 

 

 


 

Marktmusikkapelle Vöcklamarkt im November 2007Besondere Verdienste erwarb sich Obmann Helmut Vitzthum durch die Organisation des  Jubiläumsfestes „150-Jahre Musikkapelle Vöcklamarkt“ sowie des Musikfestes 2004. Speziell das „Fest der Musik“ im Jahr 2004 ist vielen noch in guter Erinnerung, gab es doch durch die teilnehmenden 17 Musikkapellen einen eindruckvollen Sternmarsch aus 3 Richtungen hin zum Marktplatz. Mit rund 750 MusikerInnen erlebten die Zuhörer bei herrlichem Wetter ein imposantes Gesamtspiel.  Die Einweihung des neuen Musikheimes – an dessen Errichtung und Bezug durch die Musikkapelle Obmann Vitzthum großen Anteil hatte – wurde im Rahmen eines Dreitagesfestes gebührend gefeiert.

 


2007 -

2008 - erstmals in der neuen TrachtIm Jahr 2007 gab Helmut Vitzthum das Amt des Obmannes an Gottfried Hemetsberger weiter.  Unter der neuen Leitung wurde die Vereinsbezeichnung in „Marktmusikkapelle Vöcklamarkt“ geändert. Erstmals in der Vereinsgeschichte wurde ein eigenes „Logo“ kreiert und  „Notenpultfahnen“ angeschafft. Nachdem an der „alten“ Tracht die letzten 20 Jahre nicht spurlos vorübergegangen waren, wurde rechtzeitig zum  160-Jahr Jubiläum – sozusagen als selbstgemachtes Geburtstagsgeschenk - eine neue Tracht angeschafft. Die große Herausforderung für Obmann Hemetsberger bestand in der Vorbereitung und Durchführung der zahlreichen Veranstaltungen des Jubiläumsjahres 2008, auf die in der „Jubiläumsschrift 2008“  jeweils noch im Detail näher eingegangen wird.  Seit Jänner 2009 bekleidet Günther Eitzinger das Amt des Obmannes.